Spanienbesuch der Jordans im September

Von dem Besuch bei Pilar in Zaragoza möchten wir Euch wieder ein paar Eindrücke berichten:

(Für alle die Pilar nicht kennen: Pilar ist eine junge Tierschützerin in Zaragossa (Nordspanien) mit der GPI seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet. Sie kämpft jeden Tag um die Hunde, die sie von der Straße, aus Tötungsstationen oder von den Jägern rettet. Führt selbst ein Leben, immer wieder am Existenzminimum, da sie alles was sie hat für die Tiere gibt).

Pilar und ihre Freundin und Helferin Maria hatte unsere Ankunft schon sehnsüchtig erwartet, und auch wir waren schon sehr gespannt auf das „neue“ Auffanglager in einem Vorort von Zaragoza. Im Sommer wurde Pilar leider die alte Unterbringung für ihre vielen Pflegehunde aufgekündigt, und sie musste einen neuen Platz für die Tiere finden. Leider gestaltet es sich für Pilar schwierig, wie für andere Tierschützer auch, geeignete Plätze zu finden, auf denen solche Refugios machbar und geduldet sind. Außerdem natürlich sicher und bezahlbar !

Eine andere Tierschützerin hatte dieses „neue“ Gelände, das von einer hohen Mauer umgeben ist, bereits für ihre Streuner angemietet. Aktuell teilt sich Pilar mit ihr die Arbeit dort ...und davon gibt es mehr als genug. Aus der Not heraus haben die drei Frauen das Grundstück provisorisch her gerichtet d.h. von sehr viel Unrat befreit (wie z.B. einer toten Ziege des Vorbesitzers) um es erstmal irgendwie bewohnbar zu machen und mit Mörtel und Zement sichere Zäune für verschiedene Zwinger zu errichten um die Hunde in Gruppen unterteilen zu können. Es ist aber insgesamt in einem sehr schlechten Zustand, zugig und nicht isoliert, das Dach sieht nicht sehr vertrauenerweckend aus und wir wissen nicht wie die Situation im Herbst und Winter dort wird.(siehe Fotos) Außerdem ist die Nachbarschaft nicht sicher für die jungen Frauen, wenn sie dort übernachten, aber auch für die Hunde. Es ist nur eine Lösung auf Zeit.

So kamen wir also mit den vielen Futterspenden an, die wir aus Deutschland von Euch mitgenommen hatten. Die jungen Frauen waren über diese Spende sehr sehr glücklich, da sie sich die nächsten Wochen keine Sorgen um Futter machen mussten. DANKE AN ALLE SPENDER! DANKE AN DIE SOMMERFESTBESUCHER, die ebenfalls viel gespendet haben.

Auf dem Gelände befindet sich eine stetig wachsende Zahl an Hunden, überwiegend Galgos, andere Jagdhunde, auch einige andere Rassen. Allein ein Zwinger mit Galgo- und Podencowelpen. Die 3 Galgowelpen werden zum Glück von SOS Barcelona übernommen, die Pilar öfters junge Galgos abnehmen da die Rasse in Katalonien inzwischen als Haustier bekannt ist. Nur die Podencos will keiner, dieser Rasse ergeht es so, wie vor etwa 10 Jahren den Galgos. Nur Jäger halten sich Podencos, keiner will sie als Familienhund. Hier ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit nötig!

Aber wie kann man hungernde Podencowelpen einfach sich selbst überlassen? Natürlich nehmen Pilar und ihre Helfer auch diese Hunde auf, ohne zu wissen wohin mit ihnen.

Unser Besuchsmonat September ist kurz vor der Jagdsaison: auf den Straßen mehren sich die streunenden Hunde die vom Jäger zurückgelassen wurden, da sie „nichts mehr taugen“. Wie im Fall der sandfarbenden Galga India (Fand in Barcelona bereits ein Zuhause): Pilar erhielt einen Anruf eines Jägers, der eine Galga abzugeben hätte. Sie vereinbarten eine Zeit, zu der Pilar die Hündin bei ihm abholen konnte. Kurz vor dem Termin rief der Jäger wieder an: er hätte jetzt was anderes zu tun und die Galga schon mal auf die Straße gelassen. So sind Pilar und Maria dorthin gefahren und haben 1,5h nach der Hündin gesucht, bis sie sie glücklicherweise wohlbehalten einsammeln konnten.

Ein anderer Fall: kurz bevor wir in Zaragoza ankamen, rief die Polizei an, dass auf der Straße ein angefahrener Galgo liegt. Die befreundete Tierschützerin hat den hübsch gestromten Galgorüden geholt und zum Tierarzt gefahren, da er sichtliche Schmerzen hatte. Der Tierarzt sagte nur lapidar, dass nichts gebrochen wäre, er also außer Schmerzmitteln nichts tun könnte... So haben sie ihn erstmal im Auto gelassen, mit der einzigen Möglichkeit, ihn später ins Tierheim Zaragoza zu bringen, wo er mit aller Voraussicht in der Tötungsstation landen würde. Aber ihnen fehlte schlichtweg die Möglichkeit den armen Kerl zu pflegen und zu versorgen.

Tagtäglich kommen nun solche Fälle, zum Ende der Jagdsaison im Februar sind alle Auffanglager und Tierheim überfüllt. Im ländlichen Spanien, ausserhalb der größeren Städte wie Madrid oder der fortschrittlichen Provinz Katalonien, kommt der Tierschutzgedanke nur langsam voran. Zu fest sind die Traditionen etabliert, zu groß die Sorgen der Menschen ihr eigenes Leben betreffend. Da herrscht eher das Gefühl, man wolle ihnen das bisschen Freunde was sie durch die Jagd oder auch in der Stierkampfarena empfinden, auch noch streitig machen.

Wir versuchen Pilar zu unterstützen wo wir können, natürlich sind auch unsere Aufnahmemöglichkeiten begrenzt. Aber wir haben Pilar und ihren Helfern versprochen, Ihnen finanziell bei der Suche und Unterhaltung eines soliden und sicheren Refugios unter die Arme zu greifen. Die aktuelle Situation kann nicht von Dauer sein, und wir hoffen sehr, dass Pilar schnell fündig wird.

Hätten wir nicht schon mehrere Pflegehunde mit Handicaps bei uns, hätten wir liebend gern eine Zusage gemacht, den gestromten angefahrenen Rüden bald aufzunehmen. Aber aktuell haben wir die Galga ANI bei uns, die im Februar angefahren wurde, im April zu uns nach Deutschland kam und seitdem sehnsüchtig auf ein eigenes Zuhause wartet. Außerdem Pichin, mit der gerissenen Achillessehne, der nach einiges OPs endlich am 15.10. zu uns reisen durfte. Auch FLECHA, deren Schultergelenk operiert werden musste und nun noch einen dicken Verband trägt, wartet auf ein Zuhause.

Für alle Hunden hat GPI die Operationskosten übernommen und glücklicherweise private Pflegestellen gefunden, in denen sie gesund werden können. Natürlich werden auch die notwendigen Nachsorgetermine bei den Tierärzten und teils kostenintensive Physiotheraphien gemacht, damit die Hunde vollständig genesen. Dies alles ist aber nur die eine Seite – die andere Seite ist es, nun Familien für die Galgos zu finden, die die Mühe nicht scheuen den ein oder anderen Nachsorgetermin wahrzunehmen oder ggf. auch mit einem Hund zu leben der immer etwas hinken wird. Wir können nicht nur verletzte Tiere aufnehmen, die dann keiner adoptieren will / nicht vermittelt werden. Wir können nur soviel helfen wie Sie uns helfen!

Der Besuch in Spanien hat mal wieder gezeigt, es ist immer Bewegung drin und es ist ein täglicher Kampf: was diese jungen Frauen leisten, die selbst am Existenzminimum leben und persönliche Schicksalsschläge zu meistern haben, ist wirklich enorm und verdienen unsere allerhöchste Achtung! Jeden Tag neue Hunde: verletzt, ausgehungert... Sie wissen nicht wohin mit den Tieren, mit dem Elend welches andere Menschen den Tieren antun.

Sicher könnten diese Tierschützer auch ein sorgenfreies Leben führen, aber sie fühlen sich verantwortlich weil es sonst ja noch viel, viel schlimmer wäre!

Daher bitte ich Sie, unterstützen Sie weiterhin, geben Sie einer gestrandeten Hundeseele ein Zuhause! Denken Sie über die Möglichkeit nach, ob es nicht auch ein Hund mit Handicap sein könnte. Spenden Sie Futter oder unterstützen Sie uns bei den Tierarztkosten, es kommt alles zu 100% bei den bedürftigen Tieren an.

Zurück