Rüde oder Hündin?

Eine Frage die sich viele Menschen stellen, bevor sie sich für einen Hund entscheiden: Rüde oder Hündin?

Ist diese Frage ausreichend besprochen und hat man sich dann entschieden, wünschen sich die meisten Interessenten seltsamerweise eine Hündin. Dies führt leider dazu, dass sich immer mehr Rüden in den spanischen Tierheimen „ansammeln“ und bis zu 6 Mal so lange auf eine eigene Familie warten müssen wie die Hündinnen. Wir haben manchmal den Eindruck, dass über das Wesen und das Verhalten von Rüden und Hündinnen die unterschiedlichsten Gerüchte kursieren, welche die Auswahl eines Hundes beeinflussen. Oft entsprechen sie jedoch nicht der Wahrheit. Aus diesem Grunde möchten wir an dieser Stelle über Vorurteile und Erfahrungen berichten, um beiderlei Geschlechtern eine faire Chance auf ein neues Zuhause zu geben.

- Rüden sind viel größer und kräftiger als Hündinnen:

Nun ja, das liegt oftmals in der Natur der Sache, die meisten Jungs sind größer als die Mädchen. Es gibt aber natürlich auch große Hündinnen und kleine Rüden. Da jedoch auch die männlichen Galgos in der Regel sehr gut an der Leine laufen, fällt die Größe im Alltag oft nur wenig auf.

- Rüden markieren ständig und überall:

Alle vermittelten Hunde sind kastriert, sie haben keinen Sexualtrieb mehr, d.h. die Hündinnen werden nicht mehr läufig und die Rüden laufen nicht mehr läufigen Hündinnen hinterher. Das Markieren der Rüden bleibt zwar meistens erhalten, ist jedoch weit weniger ausgeprägt und kann durch eine entsprechende Erziehung gut beeinflusst werden. Manche Rüden geben das Markieren auch ganz auf. Und genug Hündinnen markieren regelmäßig, sogar mit gehobenem Bein.

- Rüden sind eher rau im Umgang:

Der Umgang mit anderen Hunden ist natürlich von Hund zu Hund unterschiedlich. Es gibt „rau und soft“ spielende Rüden, genauso wie es „rau und soft“ spielende Hündinnen gibt.

- Rüden sind weniger anschmiegsam:

Die Erfahrung zeigt auch hier, dass es auf den jeweiligen Hund ankommt. Die meisten von uns vermittelten Rüden sind sehr verschmust und anhänglich.

- Rüden neigen zur Aggression und bekommen daher oft Probleme mit anderen Rüden:

Auch in diesem Punkt spielt die Kastration der Hunde eine Rolle. Kastrierte Rüden werden von anderen Hunden oft nicht ernst genommen, manchmal sogar intensiv umworben, da sie nicht nach Rüden riechen. Sehr viele Galgos sind in der Regel gut verträgliche Hunde und auch die Rüden haben eher selten Probleme mit anderen Hunden, speziell mit Rüden, da sie nur ein schwach ausgeprägtes Territorialverhalten habe. Je nach Vorerfahrungen kann es natürlich Ausnahmen geben.

Wir würden uns wünschen, dass die Entscheidung für ein bestimmtes Geschlecht nicht schon im Vorfeld getroffen wird, sondern der persönliche Kontakt zu den Hunden auf der Pflegestelle und das Vertrauen in die Erfahrung unserer Adoptionsbetreuung dazu führen, dass jede Hundepersönlichkeit eine individuelle Chance bekommt.

Zum Abschluss möchten wir noch einige Adoptionsfamilien zur Wort kommen lassen, die ihren „Kerl“ bestimmt nicht eintauschen möchten:

„Bei uns ist der Kerl der Superschmuser und total unkompliziert. Er markiert weniger als unsere Hündin. Mit anderen Hunden ist er verträglich, wenn auch an der Leine noch sehr unsicher.“

Julia & Thorsten mit Rajah & Billy

„Von meinen drei Hunden ist der Greyhoundrüde zwar körperlich der größte, aber in seinem Verhalten anderen Hunden gegenüber am einfachsten zu händeln. Freundlich geht er auf jeden Artgenossen, egal ob männlich oder weiblich, zu und begrüßt ihn Schwanz wedelnd. Die Labradorhündin ist da nicht so unkompliziert. Im Haus ist er ein ruhiger und angenehmer Mitbewohner. Markiert hat er trotz der beiden Damen im Haus noch nie, alle drei sind kastriert. Ich würde immer wieder einen Windhundrüden adoptieren.“

Trixi mit Duke, Bonnie und Mira

Anmerkung:

Wir haben diesen Bericht gerade auf der Homepage gelesen. Wir konnten es so wie so nie verstehen, warum es diese Überlegung bei Hunden überhaupt gibt. Das kann vielleicht daran liegen, dass wir, bevor wir Josy adoptiert haben, noch nie einen Hund hatten. Aber seitdem wir auch noch Ramses bei uns aufgenommen haben, können wir es noch viel weniger nachvollziehen.

Das Problem mit dem Markieren kennen wir gar nicht. Ramses setzt sich zu Beginn der Gassirunde hin und lässt erst einmal alles laufen. Danach kommt dann nichts mehr! Josy hingegen markiert deutlich häufiger und hat schon zur allgemeinen Heiterkeit beigetragen, wenn sie ihr Bein an einer Hauswand hebt und dabei an die Mauer pinkelt. Sie hebt das Bein so hoch, dass man Angst haben muss, sie fällt gleich auf die Seite. Für uns war auch damals, beim ersten Hund, egal, ob wir einen Rüden oder eine Hündin bekommen hätten. Wir wollten nur einen katzenverträglichen Hund, mehr nicht. Farbe, Geschlecht, Größe usw. war uns sch….egal.

Dirk und Melanie mit Josy und Ramses