Warum "(k)einen Greyhound?

Leider werden die Greyhounds bei vielen Interessenten auf der Suche nach einem neuen windhundartigen Hausgenossen oftmals einfach verkannt.

Doch warum ist das so? Gelten sie zwar nach wie vor als die „Könige der Windhunde“, so sind sie bei weitem nicht so kompliziert, wie man ihrem Ruf nach vermuten würde.

1. Vorurteil:
Die Angst, dass man sich mit einem Greyhound von der Rennbahn einen „Totalschaden“ ins Haus holt.
Denn nicht jeder Greyhound, der in Irland oder Großbritannien aussortiert wurde, ist gesundheitlich vorbelastet.

Der Großteil der Greyhounds, die in den Ländern, wo die kommerziellen Rennen noch erlaubt sind, aussortiert werden, haben oftmals nur wenige Rennen hinter sich.
Wenn überhaupt.

Die Greyhounds werden als Welpen bereits selektiert. Welche vom Körperbau her die Voraussetzungen für eine Rennkarriere haben und welche nicht.

Die, die diese erste Selektion überleben, haben die nächsten Monate (meist bis sie 1 Jahr alt sind) ein relativ „gutes“ Leben, da man sich "Potential" verspricht, auf das gut aufgepasst wird.

Mit ungefähr 12 Monaten beginnt der „Ernst des Lebens“ und hier wird bereits entschieden, ob der jeweilige Grey für die Rennbahn tauglich ist. Ob er genügend Jagdleidenschaft und Schnelligkeit besitzt, und vor allem, ob sie die starken Nerven für eine gute Rennkarriere haben, sprich; Siegerwillen besitzen.

Die wirklich "Guten" kommen weiter, das sind die Grey`s, die auf jeden Fall auf die Bahn kommen und die dann auch meist viele Rennen laufen werden. Wenn sich sie sich in wichtigen Rennen bewähren und gute Zeiten laufen, haben sie evtl. das Glück, dass sie frühzeitig zur Zucht eingesetzt werden.

Der derzeit Top Deckrüde auf den Insel hat „nur“ 26 Rennen gelaufen, bevor er in die Zucht überging.

Für die weniger "Guten" heißt es jedoch (Das sind "zig" Tausende!!!):
Bangen ums weitere Überleben
.

Haben sie Glück, kommen sie hier bereits in einer der wenigen Organisationen unter, die sich für die Greyhounds von den Rennbahnen einsetzen.

Ein junger Greyhound von an die 2-3 Jahre hat in der Regel um die ca. 5 - 50 Rennen hinter sich. (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Ein sehr gut laufender Greyhound wird natürlich vermehrt an Rennen teilnehmen, ein mittelklassiger Greyhound weniger.

Die meisten der aussortierten Greyhounds in dem Alter haben sich einfach als „nicht tauglich“ erwiesen und damit die Halter/Trainer Kosten einsparen (Haltung, Futter, Training) werden diese natürlich schnellstmöglich aussortiert und, wenn sie sehr, sehr großes Glück haben, an Tierschutzorganisationen übergeben.

Daher haben eher wenige Greyhounds wirklich solch gravierende Rennbahnverletzungen, dass davon ausgegangen werden muss, dass sich die neuen Besitzer oder solche die es werden möchten, einen Invaliden ins Haus holen.

Viele kleinere Verletzungen, die sich die Greyhounds auf den Rennbahnen zuziehen können (Kapselriss, Sehenüberdehnungen, Halsmuskel,- oder Sehnen Verletzungen etc.) verheilen meist unter Schonung so gut, dass die Greyhounds in ihrer Eigenschaft als reine Familienhunde sehr gut damit klar kommen und man von der Verletzung nichts zu spüren bekommt.

2.Vorurteil:
Ein Greyhound oder gar ein Ex Profi Greyhound muss auf eine Rennbahn um seinem Bewegungsdrang nach zu kommen!

Es steckt so tief in den Köpfen der Menschen
"Ein Windhund muss rennen, rennen, rennen, um ausgelastet zu sein".

Aber es wird immer wieder nicht daran gedacht, dass Greyhounds absolute Kurzsprinter sind. Sie legen auf der Rennbahn für wenige Sekunden einen Sprint hin und dies sollte, wenn das Tier nicht verheizt werden soll, nicht jeden Tag sein, sondern 1 – 2 mal in der Woche höchstens.

Wenn sie einen kleinen eingezäunten Garten, mit ebener weicher Fläche (Rasen, Sand) haben, wird der Greyhound wenn er Lust hat!!! – und das auch nur wenn ihm das Wetter angenehm ist für ein paar Sekunden ausgelassen herumtoben, meist mit einer Beute in Form eines Stofftiers.


Oder für Leute die keinen Garten haben, aber die Möglichkeit da ist den Greyhound mal in die Reithalle mit zu nehmen , ist dies auch eine wunderbare Angelegenheit für Ihren Ex- Racer!

Aber eigentlich bevorzugt er das angenehme ruhige Leben im Haus, im Kreise seine Familie (Rudel) und normale Spaziergänge (auf keinen Fall am Fahrrad)!!!

Vielleicht haben wir ihnen mit diesen kurzen Erörterungen die Bedenken in Bezug auf einen Ex- Renngrey genommen bzw. die Greyhounds in die Wahl ihres nächsten Windhundes einzubeziehen.

Dies würde uns natürlich sehr freuen, für alle Fälle können wir sie gerne beraten und zu jedem unserer Schützlinge etwas Näheres erzählen.

Der Bewegungsdrang dieser Hunde wird leider immer wieder überschatzt!

Und gerade die Greyhounds, die aussortiert wurden, weil sie nicht den „Biss“ dazu haben, sich auf den Bahnen durchzusetzen, leben glücklich, wenn sie ihre Kurzsprints auf eingezäunten Wiesen oder ebenem Gelände haben dürfen.

Unsere beiden Greyhounds, Paulo 11 Jahre alt und Tobi 4 Jahre alt, sind wahre Couchwärmer!

Es ist auch kein Problem das der Altersunterschied so groß ist. Sie lieben ihre Spaziergänge von bis zu 2 Std. und genießen das kurze Spiel im Garten,mehr möchten sie gar nicht.

Wenn ich denke sie müssten doch noch etwas mehr toben dann werde ich immer wieder eines besseren belehrt: Der Greyhound möchte keine langen ausgiebigen Spiele, er tobt und spielt kurz und geht dann auf die Couch zum schlafen und sich auszuruhen für den nächsten Spaziergang.


Nina Jordan/Barbara Normann