Das Gelände von Antonio (Sevilla) ist endlich geräumt!

19. März 2009

Endlich kam letzte Woche der erlösende Anruf von Fermin von Scooby, dass sie am Dienstag, dem 17. März, mit zwei Bussen kommen würden, um alle Hunde die noch dort waren, definitiv aus ihrer Hölle zu befreien. Im Gerichtsurteil steht, dass ALLE TIERE VON DER FINCA WEGGEHOLT WERDEN MÜSSEN, also war auch für das Pferd der Transport geregelt. Ivan von der Refugio del Burrito (Eselauffangstation) in Malaga sollte mit einem Anhänger kommen, um es mit zu nehmen.

Das Urteil wurde unter Beaufsichtigung der Guardia Civil, Seprona und der örtlichen Polizei vollstreckt. Auch von der Stadtverwaltung sollten Leute anwesend sein, denn am selben Tag noch sollte mit dem Abbruch aller Zwinger, außer denen aus Stein, begonnen werden.

Die Leute von Scooby sind Montag Abend schon gekommen und haben in einem Hostel in El Cuervo übernachtet, sodass wir Dienstag Morgen früh anfangen konnten; denn wir waren davon überzeugt, dass das eine Heidenarbeit sein würde. Und das war es dann auch, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Ich habe schon oft erzählt, unter welch erbärmlichen und Hund-entwürdigenden Umständen Antonio seine Hunde hält, und das ist natürlich nicht besser geworden, eher schlechter.


Natürlich hatten auch diese armen Tiere alle Räude, Dermatitis (Hautinfektionen durch den Schmutz, in dem sie leben mussten), Flöhe, unglaublich viele Zecken und außerdem furchtbare Angst vor dem grellen Licht draußen und den vielen Leuten, die da waren, die sie schon so lange nicht mehr gesehen oder gehört hatten.

Ich brauche das alles nicht zu wiederholen, ich zeige Ihnen die Fotos, die beinahe alles sagen. Beinahe alles, denn – wie schon gesagt – der Gestank, der überall herrscht, die stickige Luft, die einem den Atem nimmt und natürlich auch den Hunden, sind unbeschreiblich.

Schauen Sie sich die Fotos an von einem theatralischen, angeblich heulenden Antonio, der sich auf die Erde wirft, als er hört, dass alle Hunde in Beschlag genommen werden, und immer wieder ruft, dass er jetzt sterben will. Da gibt’s noch einige, die das gern hätten. Können wir dir dabei vielleicht behilflich sein?

Schaut euch das Foto der Stufe gut an, wo eine enorme Anzahl Zecken drüber kriecht, das Foto der Podencomischlingsmutter mit zwei Welpen; sie wurden in einem Heustapel draußen gefunden, der mit einer Plane abgedeckt war, und einen Meter weiter lagen zwei tote Welpen von ihr, einer schon von den Ratten angefressen. Der Bauch des einen Welpen ist voller Zecken, was mag da noch alles in dem Fell sein, das auch schon kahl wird, ein Welpe von circa 4 Wochen!!!

Schaut euch das Foto des kahlen Schwanzes eines Galgos an, am restlichen Körper ist auch fast kein Fell mehr. Seht die Panik bei dem Galgo, der aus Angst seine Zunge kaputt gebissen hat, aber schaut euch auch die Innenseite seines Ohres an, schwarz von Zecken. Achtet auf die Brust der anderen Hunde, wo die Zecken Fangen spielen. Schaut euch die „Stiefelchen“ des kleinen Podenco an, bis zu dieser Höhe lief sie in der Jauche. Bei dem weißen Galgo mit dem Loch im Rücken sehen Sie davor einen großen schwarzen Fleck, das sind Zecken und Flöhe. Schauen Sie sich auch die Fotos der “verschwundenen” Galgos an, die angeblich von ihrem Besitzer abgeholt worden waren. Er hatte sie in einer Scheune versteckt, circa 200 Meter von seinem Gelände entfernt. Insgesamt waren es ungefähr 40, worunter ein wunderschöner Galgowelpe, weiß mit beige, für den er den Rest des Tages auf seinen Knien die Guardia Civil angefleht hat, ihn behalten zu dürfen. „Denn“, so schnotterte er, „nun habe ich gar keine Galgos mehr“.

Genau, Antonio, das ist nun genau der Sinn der Sache, dass du keine Hunde mehr hast, nie mehr. Sie sehen das Ohr und den kahlen Körper eines schrecklich lieben Jagdhundes, der nicht genug davon bekam, am Gras zu schnüffeln und darin Runden zu drehen. Wer weiß, wie lange dieses Tier schon im Dunkeln eingeschlossen war?

Sie können sehen, dass Antonio, als wir uns den verschwundenen Galgos widmeten, in sein Auto stieg, weg fuhr und kurz darauf mit „Verstärkung“ zurück kam, mit seinen Geschwistern, die auch gegen das Unheil für Antonio waren, die Befreiung der Hunde aber nicht verhindern konnten.



Sie sehen auch, dass die Stadtverwaltung kein Gras drüber hat wachsen lassen; denn sobald das vordere Stück leer war und wir an der Rückseite begannen, kam ein Team von Männern, das mit dem Abbruch des Zaunes zwischen den verschiedenen Zwingern anfing. Die Türen wurden abgebrochen, Pfähle weg genommen, und nach ein paar Stunden war es eine große, offene Stelle. Nur schade dass die Scheunen aus Stein nicht abgebrochen werden durften, dann wäre es für Antonio gänzlich unmöglich geworden, um noch Hunde drinnen ein zu schließen. Aber die Polizei hat uns wiederholt versichert, dass sie Antonio sehr genau beobachten werden, sodass er nicht wieder anfängt. Wir hoffen das von Herzen, wer nicht?! Das darf auf keinen Fall jemals wieder einem Hund angetan werden, niemals mehr!!!





Als es gestern Abend dunkel war, sind wir zu dritt noch mal hin gegangen. Es ist jetzt ein unheimlicher Flecken Erde geworden. Totenstill, kein Hund mehr der bellt, jault, heult oder schreit. Totenstille. Man hört noch eine Tür im Wind klappern, das Klappern einer Plane, es ist stockdunkel, und vor allem die Gewissheit, dass hier so viele Hunde auf furchtbare Weise gestorben sind und dass noch unzählig viele Leichen und Knochen unter der Erde liegen, lassen einem jetzt, vor allem in dieser ungewohnten Totenstille, die Schauer über den Rücken laufen. Brrr, nichts wie weg hier!








Die Hunde haben die Reise nach Scooby gut überstanden. Sie wurden vor dem Einladen alle gegen Ungeziefer behandelt, und Tomasso, der Tierarzt von Scooby, der auch dabei war, sagte, dass sie in 10 Tagen alle noch einmal eine Spritze bekommen, und dann sind alle Flöhe, Zecken, Würmer und auch die Dermatitis und Räude verschwunden. Als sie erst mal in den Zwingern im Bus waren, fühlten die Hunde sich auch schon etwas weniger panisch, das gibt ihnen doch ein wenig das Gefühl von Geborgenheit, zum Glück.

Es bestand noch kurz die Angst, dass sie nicht alle mit kommen könnten, aber zum Glück war hier im Refugio von El Amigo Fiel noch Platz, also haben wir vier Galgos und zwei Mischlinge hierher geholt, sodass auch die letzten armen Seelen von Antonio die Reise in eine bessere Zukunft antreten konnten; und wenn er Wind davon bekommt, dass sie hier sind, dann muss man nicht daran denken, wozu er in der Lage ist und was sich alles in seinem Kopf abspielt.










Insgesamt sind gestern ungefähr 70 Hunde aus ihrem Elend befreit worden. Im Jahre 2007 waren das ungefähr 100, der erste Transport dieses Jahres 31, der zweite Transport 24, jetzt 70; El Amigo Fiel hat dort 33 Hunde weggeholt, und mit den 6 die noch bei uns sind, sind das insgesamt 260 Hunde, die bei Antonio unter Ekel erregenden Umständen weggeholt wurden.

Wir fürchten, dass die Zahl der Hunde und mit Sicherhaut auch die der Welpen, die dort gestorben sind, viele Male größer ist. Die Zahl könnte sich durchaus auf gegen die Tausend belaufen. Es klebt viel Blut an Antonios Händen für etwas, wofür er in erster Linie selbst verantwortlich war. Aber seine Schwester konnte einfach nicht verstehen, warum die Hunde weg mussten, denn ihrer Meinung nach sorgte er doch so gut für seine Hunde! Und auch Antonio selbst zeigt keinerlei Reue oder Mitleid mit den Hunden, er kennt nur Selbstmitleid, fühlt sich benachteiligt und spielt voller Überzeugung das unschuldige Opfer, dem nur Unrecht angetan wurde. Darauf fallen wir aber nicht mehr rein.

Unser Mitleid gilt nur den armen Tieren, die einem Mann in die Hände gefallen sind, der eigentlich niemals die Verantwortung für irgendein Tier hätte bekommen dürfen. Enttäuschend war, dass das Pferd gesund und in guter Kondition befunden wurde, außerdem die benötigten Papiere hatte und gechipt war, und die Guardia Civil nicht erlaubte, es mit zu nehmen, sodass Ivan die Reise von und nach Malaga, total 600 Kilometer, umsonst unternommen hatte.

Wir fragen uns dann auch, ob die Guardia Civil – wenn der Richter ein Urteil gesprochen hat – das ohne Weiteres selbst abändern darf. Wir denken, dass das nicht geht. Außerdem, was heißt denn da „gesund und mit Papieren“?

Es wird doch nicht über gesunde oder kranke Tiere gesprochen oder über dicke oder magere Tiere, auch nicht über alte oder junge Tiere? In dem Urteil steht, dass schlicht und einfach ALLE TIERE DIE AUF DER FINCA SIND, weg müssen.

Da ist also das letzte Wort noch nicht drüber gesprochen. Wir möchten das gern mit Bestimmtheit wissen von jemandem der Ahnung davon hat, also werden wir uns darüber weiter informieren.


Aber jetzt ist es hoffentlich vorbei. Wir sind Fermin und Scooby enorm dankbar, dass sie den „Antonio-Hunden“ einen neuen Start und eine Chance auf ein neues Leben ermöglicht haben. Wenn Sie die Adoption eines Galgos oder Mischlings in Erwägung ziehen, denken Sie dann auch an einen dieser Hunde. Sie verdienen es so sehr nach ihrem mutig ertragenen Elend und werden Ihnen sehr dankbar sein.

Ich hoffe von Herzen, dass wir hiermit das „Projekt“ Antonio abschließen können, besonders für die Hunde. Aber sollte es notwendig sein, werden wir mit Sicherheit darauf zurück kommen und Sie auf dem Laufenden halten.

Cobie