RACING TO THE END
The Age, 25.10.2004

Einige wenige werden glückliche Haushunde, aber die meisten Renngreys werden routinemäßig eingeschläfert, ein Bericht von Lorna Edwards
Als ein winselnder, sterbender Greyhound Ende letzten Monats in der Nähe von Hobarth gefunden wurde, gab es einen Sturm der Entrüstung. Der Hund wurde zum Sterben zurückgelassen. Er war, bedeckt mit einer dünnen Eisenplatte, unter Büsche gelegt worden. Ein Ohr war brutal abgehackt worden, so daß die Identifikation über das Ohr-Tatoo unmöglich wurde. Überreste weiterer getöteter Greys wurden in der Nähe gefunden. Die Greyhound Rennvereinigung machte ihre Empörung deutlich und behauptet, daß der Vorfall einmalig sei und von jemandem außerhalb der Rennvereinigung begangen wurde.
Der Tasmanische RSPCA (the Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals) möchte den Besitzer des Hundes verantwortlich machen, die australischen Greyhound-Tierschützer sind der Meinung, daß bei der Greyhound-Industrie die wahren Verantwortlichen zu suchen sind. Sie bezeichnen die Industrie als ethisch sehr fragwürdig und fordern das Verbot von Greyhoundrennen für Australien. Greyhound Rennen sind in 6 Staaten der USA verboten, ebenso in Südafrika. Die Greyhound-Industrie gibt zu, daß 15.000 Greys jährlich in Australien gezüchtet werden, Tierschützer gehen jedoch von 25.000 Hunden aus. In Australien gibt es 95 Rennbahnen, die wöchentlichen Umsätze liegen bei 25 Millionen Australischen Dollar, es gibt mehr als 400 Veranstaltungen jedes Jahr. Australiens Greyhound-Industrie ist die drittgrößte in der Welt, nach den USA und Irland.
Für die Greyhounds ist es ein Leben unter extremen Bedingungen. Schon mit 18 Monaten werden viele Hunde als zu langsam für die Rennbahn beurteilt und ausgemustert. Diejenigen, die erfolgreich sind, erleiden unter Umständen Verletzungen oder sind im Alter von 4 Jahren völlig ausgelaugt und verbraucht.

Es gibt keinerlei Statistiken über das Schicksal vieler Hunde nach ihrer aktiven Rennkarriere. Tierschützer sagen, daß jedes Jahr 20.000 Tiere geschlachtet werden. Die Rennindustrie sagt, daß sie mit sanften Methoden eingeschläfert werden, bei ihren Besitzern bleiben oder als Haustiere adoptiert werden. Obwohl sie bestätigen, daß eine gewaltige Anzahl an Tieren eingeschläfert wird, fühlen sie sich verunglimpft, weil der glamurösere Pferderennsport vergleichbare Anschuldigungen entgeht. “Sie zielen auf die Greyhound Rennindustrie aber die Rennpferdeindustrie sollte das Thema sein“ sagt ein verärgerter Geoff O’Connor, Vorstandsvorsitzender von Greyhounds Australasia. „Alles, was mit den Hunden zu tun hat, wird emotional aufgebauscht. Was meinen Sie denn, was mit den Pferden geschieht“?
O'Connor ist daran gewöhnt, von Tierschützern mit wütenden Emails bombardiert zu werden. Er ist der Meinung, daß der Sport zu Unrecht verunglimpft wird und haltlose Beschuldigungen ihn in Verruf bringen. Wie der seltene Vorfall von Grausamkeit bei Hobart. “Fast jeder Mensch, der mit Greyhoundrennen zu tun hat, liebt die Hunde und oft werden diese besser behandelt, als man selber“ sagt er. "Die Australasian Greyhound-Industrie ist wahrscheinlich die bestgeführte, bestüberwachte und mehr als eine andere Greyhound-Industrie oder -Nation in Kontakt mit verschiedenen Tierschutzorganisationen“.
Mitglieder der Greyhound-Industrie werden zunehmend nervös, wenn sie auf die steigenden Exportzahlen von Hunden, die nach Asien gesendet werden, angesprochen werden. Der australische Quarantine and Inspection Service hat keine Zahlen über die Greyhound-Exporte nach Asien. Insider glauben, daß jährlich hunderte von Hunden betroffen sind.
Dieser Exporthandel hat die Londoner Tierschutzgruppe „Geyhound Action International“ dazu veranlasst, ihr Augenmerk auf Australien zu richten. Die internationale Koordinatorin dieser Gruppe, Raven Haze, erzählte der Zeitung „The Age“, daß Hunde, die nach Asien verschickt werden, am Kiefer aufgehängt und geschlagen werden, damit das Fleisch zarter wird. Später werden sie lebendig abgehäutet und mit dem Schweißbrenner geröstet. Sie hat gegen die Industrie bei der Australischen Botschaft in London protestiert. "Die australische Öffentlichkeit ist größtenteils nicht darüber informiert, was die Grausamkeiten anbelangt, die den Greyhounds angetan werden. Ich bin mir sehr sicher, wenn die australische Bevölkerung es wüßte, so würden sie die Greyhound-Industrie nicht weiter unterstützen“.
Die frühere Tierarzthelferin Emma Haswell aus Brunswick unterstützt „Greyhound Action International“ indem sie für Aufklärung der Bevölkerung sorgt. "Es gab bei Greyhoundrennen noch nie eine Erklärung über die Todesrate oder die Grausamkeit, die den Tieren wiederfahren“ sagt sie. Greyhound Australasia besteht darauf, daß es keinen Beweis dafür gibt, daß australische Zuchtgreyhounds in Asien auf den Märkten als Hundefutter angeboten werden. Unabhängig davon wurde im Juli diesen Jahres von der Greyhound-Industrie ein Pass-System für Exporthunde eingeführt. Die Einhaltung ist zwingend vorgeschrieben, aber es gibt keine behördliche Kontrolle.
Der Tierarzt John Newell aus Belmont (New South Wales) hat geholfen die Greyhoundrennen in Vietnam und Macao einzuführen und ist wütend über Aufrufe, die Exporte zu stoppen. Newell sagt, daß die Leute, die protestieren, ein falsches Bild von der Sache haben. Ausgemusterte Rennhunde, die in diese Länder exportiert werden, haben dort meist eine höhere Lebenserwartung und bessere Versorgung als in Australien mit den ganzen Tierschutzbestimmungen. „In Vietnam gibt es ein schönes Auffanglager, wo am Nachmittag eine Seebriese weht und Stauanlagen zum Schwimmen vorhanden sind und man sich gut um die Tiere kümmert“. Während er sagt, daß Vietnam und Macao über jeden Zweifel erhaben sind, kann er sich nicht für das Schicksal der Hunde in Korea oder anderen asiatischen Ländern verbürgen. „Ich kann sie in den 6. Distrikt von Saigon bringen und mit ihnen die Straße mit den Restaurants entlanggehen, wo Hundefleisch angeboten wird. Sie werden hier sicher keinen Greyhound finden, wobei ich mir bei anderen asiatischen Ländern wirklich nicht sicher bin“.
Greyhound Action ist ebenso um die Hunde besorgt, die in australischen Universitäten als Forschungsobjekt landen. Die Tierschutzorganisation sagt, daß sie Zeugenaussagen und Bilder von ehemaligen Studenten der Veterinärmedizin erhalten hat, die aus dem ganzen Land kommen und noch immer traumatisiert sind, wegen der Behandlung, die diesen Hunden widerfährt.
Jan Wilson, Vorsitzende von Greyhounds Australasia und Greyhound Racing Victoria, sagt, daß sie keine Kenntnis über derartige Experimente hat. "Sollte dies der Fall sein, wäre es eine vollkommen private Übereinkunft zwischen einem oder mehreren Tierärzten und der Universität“. Sie sagt, daß Greyhounds an der Universität von Melbourne als Blutspender für andere Rassen in der Hundeblutbank geführt werden. "Sie werden dort unter den bestmöglichen Bedingungen gehalten“. Eine Sprecherin der Universität in Melbourne bestätigt, daß Greyhounds helfen, die Hundeblutbank zu beliefern. Greyhoundkadaver helfen dabei, den Studenten Anatomiekenntnisse zu vermitteln und es gibt nur wenige Anfragen zu Tierversuchen mit Greyhounds für die Humanmedizin.

Eine weitere Universität, die unter Beschuß geraten ist, ist die Murdoch Universität in Westaustralien. Ein Sprecher sagt, daß Greyhounds nicht für die Forschung und Tierversuche, sondern für den Unterricht benutzt werden. Die Universität hält außerdem eine kleine Anzahl von Greyhounds als Blutspender.
Debbie Morris von Animal Activism Queensland, ist eine leidenschaftliche Fürsprecherin der Greyhounds. Sie beharrt darauf, daß jegliche Forschung inakzeptabel ist und behauptet, daß die Hunde unter unmenschlichen Bedingungen an den Universitäten gehalten werden. Sie beschuldigt die Industrie, die Tiere auszurangieren und die RSPCA als unfähig, dies zu kontrollieren. "Es gäbe keine Greyhound- und Pferderennen, wenn die RSPCA ihre eigenen Regeln befolgen würde, weil diese ganzen Industrien den Regeln widersprechen“.
Die RSPCA gibt zu, daß es ihnen bei der großen Anzahl von Rennhunden, die eingeschläfert werden, nicht ganz wohl ist. Der Landesvorsitzende, Dr. Hugh Wirth sagt, daß die Organisation bezüglich der Pferderennen die gleichen Befürchtungen hegt und gerade eine Studie über das Schicksal von Ex-Rennpferden in Auftrag gegeben hat. "Für die RSPCA besteht die Schwierigkeit darin, daß es weder richtige Angaben darüber gibt, was mit all den Ex-Rennpferden geschieht , noch daß es keine Behörde in Australien gibt, die das erklären kann bzw. sich verantwortlich fühlt. Wir wissen, was mit den ausrangierten Greyhounds geschieht – die meisten werden getötet aber eine steigende Anzahl wird über das Greyhound Adoption Programm als Haustier vermittelt. Aber dies betrifft jedes Jahr lediglich ein paar Hundert von ausrangierten Tieren. Unser Standpunkt ist einfach. Wir missbilligen die Überproduktion von Tieren, für welchen Zweck auch immer. Wir bestehen darauf, dass, wenn es notwendig ist, Tiere zu töten, diese human einschläfern zu lassen“.
Über die Greyhounds an den Universitäten macht sich die RSPCA weniger Sorgen. „Wir sind uns sehr sicher, daß eine gewisse Anzahl von Forschungsinstituten, insbesondere in Melbourne, die Greyhounds benutzen und aufgrund der Gesetze forschen dürfen, daß diese Forschungen sehr streng überwacht und unverzichtbar sind und daß die Tiere in keinster Weise kranktherapiert werden“, sagt Dr. Wirth.
Die RSPCA meint, daß es keinen Grund gibt, diese Sportart zu unterbinden. Haustierhalter verhalten sich ähnlich und machen sich damit auch schuldig am Tod von Tieren. “Wir töten in Melbourne jedes Jahr 10.000 Katzen und ca. 6.000 Haushunde,“ sagt Dr. Wirth. Wenn man dieses Geschäft mit dem Tod auf den Punkt bringt, ist es eine logische Schlußfolgerung, Pferderennsport, Hunderennen und private Tierhaltung zu verbieten, solange Menschen Massentierzucht betreiben.
Trotz Kritik gibt es keine Diskussionen darüber, daß die Industrie versucht, ihr Image zu verbessern und die Anzahl pensionierter Rennhunde zu vergrößern. Jan Wilson weist auf das Greyhound Racing Victoria’s Adoptionsprogramm hin, vergleichbar mit denen in anderen Staaten. Letztes Jahr kaufte die Organisation ein 500.000 australische Dollar teures Grundstück in Seymour um dort pensionierte Rennhunde an ein Leben als Haustiere zu gewöhnen. Das Programm hat seit 1996 für 1.240 Hunde ein neues Zuhause gefunden. Bei der diesjährigen Royal Melbourne Show wurden 1000 Anfragen von Menschen gestellt, die an einer Adoption interessiert sind. „Jeder, der mit Greyhounds zu tun hat, wird Dir erzählen, daß sie sehr gut mit kleinen Kindern klarkommen und wenn sie vom Rennsport weg sind, die sanftmütigsten und liebevollsten Tiere sind“ sagt Wilson. Wie auch immer, der Erfolg der Adoptionsprogramme könnte ein zweischneidiges Schwert werden, räumt Geoff O’Connor ein. „Das Greyhound Adoptions Programm war so erfolgreich und hat ein Bewusstsein außerhalb der Rennszene für die Greyhounds geschaffen. Jeder, der sie als Haustiere hält, weiß wie phantastisch sie sind. Auf der anderen Seite fangen die Menschen jetzt an zu fragen, was mit der Masse von Rennhunden nach ihrer aktiven Karriere geschieht.