A dog's life ain't what it used to be
Das Leben eines Hundes ist nicht so, wie es sein sollte
Tierschützer wollen die „brutalen“ Greyhoundrennen gesetzlich verbieten – und zielen auf die Wetter ab, um das Aus herbei zu führen

17 January 2005 - By Jonathan Brown

Die Zehenverletzung des Greyhounds Rusty erwies sich als verhängnisvoll. Nachdem er im April 2004 bei einem Rennen in Warwick verletzungsbedingt eine schlechte Vorstellung lieferte, konnte der bis dato gewinnbringend laufende Hund seinen Unterhalt nicht länger sicherstellen. In der folgenden Woche wurde Rusty von einem Spaziergänger in Süd-Wales entdeckt. Er lag winselnd auf einer Müllhalde und wedelte immer noch mit dem Schwanz. Dem Hund war mit einem Bolzenschussgerät durch den Kopf geschossen worden. Außerdem waren seine Ohren abgehackt, um die Tattoos zur Identifizierung zu entfernen. Ein Tierarzt wurde gerufen, um den Hund von diesem fehlgeschlagenen Tötungsversuch den Hund zu erlösen
Im letzten Monat wurde am Caerphilly Magistrates Court in einem Fall verhandelt, der von der RSPCA zu Anhörung gebracht wurde. Andrew Gough, ein Platzwart bei Greyhoundrennen, wurde wegen der Tierquälerei von Rusty zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, und ihm wurde die Tierhaltung auf Lebenszeit verboten – die Höchststrafe in Großbritannien für Tierquälerei.
Die Friedensrichter beschrieben seine Tat, für die er angeblich 10 £ vom Besitzer des Hundes bekam, als „absolut unakzeptabel in einer zivilisierten Gesellschaft“. Gough, 28 Jahre alt, der gegen das Urteil Einspruch einlegte, ist die erste Person in Großbritannien, die für ein derartiges Verbrechen ins Gefängnis gehen soll.
Die anwesenden Tierschützer sagen, daß Rusty lediglich die Spitze eines Eisberges ist. Eine neue Studie belegt, daß auf Grund der Knappheit von geeigneten Adoptivfamilien für diese Hunde, tausende von Greyhounds und Lurchern am Ende ihrer Rennkarriere in Großbritannien ausrangiert werden. Protestgruppen behaupten, daß nicht weniger als 6.000 Hunde im Jahr in Großbritannien „pensioniert“ werden, indem sie eingeschläfert werden.
Rusty, der unter den Namen „Last Hope“, „Charlie“ und „Mystique“ lief, ist ein wichtiges Symbol für die Tierschutzbewegung geworden. Demonstranten glauben, daß nachdem die Fuchsjagd gesetzlich verboten ist, es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis sie das Beenden der Greyhoundrennen bewirken können – eine Industrie, die mehr als 2.5 Millionen £ jährlich umsetzt. Die Kampagne konzentriert sich auf die Erziehung der Menschen, die Wetten auf Kosten der Tiere abschließen, unter dem Slogan: „You bet-they die“ (Du wettest, sie sterben). Für dieses Jahr sind für den Jahrestag von Rustys Tod bereits Mahnwachen geplant.
Gegner dieses Sports demonstrieren jede Woche vor den Greyhoundstadien, um die Wetter davon abzubringen die Wettbüros zu betreten. Auf Wettbüros wird Einfluss genommen. Versuche, neue Bahnen zu gründen, werden mit massiven Protesten konfrontiert. Lokale Behörden werden beeinflusst, öffentlichen Grundbesitz oder Steuergelder nicht dazu zu verwenden diesen Sport zu subventionieren. Demonstranten der 17 örtlichen Greyhound-Rescue-Gruppen in Großbritannien werden in dem Moment aktiv, indem sie von Plänen hören, neue Kennels zur Zucht von Renngreys aufzubauen.
Die genaue Anzahl an ehemaligen Rennhunden, die jedes Jahr verschwinden, ist umstritten. Die tatkräftige Gruppe Greyhound Action glaubt, daß jährlich bis zu 40.000 Hunde dem Sport zugeführt werden, aber weit aus mehr Hunde nicht registriert und noch ganz jung von den Züchtern getötet werden. Die Tierschützer sagen, daß bei denjenigen, die es bis auf die Rennbahn schaffen, einer von zehn Hunden an Verletzungen leidet oder Arthritis entwickelt hat, sie aber weiter dazu angetrieben werden, unter Schmerzen Rennen zu laufen.
Normalerweise ist das Rennleben eines Hundes im Alter von 3 Jahren vorbei. Ausgediente Hunde werden dann ausgesetzt, getötet oder ins Ausland verkauft, wird behauptet.
Ein neuer Bericht, der von der Nationalversammlung in Wales in Auftrag gegeben wurde, unterstützt die Sichtweise der Tierschützer, für die das Aussetzen und das Gemetzel bei den ehemaligen Rennhunde bereits "ein Hauptproblem im Tierschutz " ist. Der Report schätzt, daß im letzten Jahr 2.800 Hunde durch lokale Behörden gerettet oder beschlagnahmt wurden – der Rest wird einem ungewissen Schicksal überlassen. Die Versammlung stellte fest, daß sich die Unterhaltskosten für den Steuerzahler im Jahr auf 600.000 £ belaufen. Zu ihrer Verteidigung führt die Industrie an, daß es einfach unmöglich ist, nachzuvollziehen, was mit den Greyhounds geschieht, wenn sie keine Rennen mehr laufen. Aber es sei deutlich, daß die Fakten, die von Protestgruppen verbreitet werden, stark übertrieben sind.
Eines der Hauptprobleme, wenn man die Spur der Hunde verfolgen will, ist die Aufteilung des Rennsport in zwei Lager. Der „Britische Greyhound Racing Board“ (BGRB) repräsentiert 31 Rennbahnen in Großbritannien. Die Mitglieder sind lizenziert; letztes Jahr spendete er 850.000 £ für einen Pensionsfonds für Hunde. Der BGRB arbeitet mit einem System, wo nachvollzogen werden kann, wo die Hunde sich aufhalten. Er hält regelmäßige Sitzungen mit Tierschutzgruppen ab.
Die restlichen 20 unabhängigen Rennbahnen, die überwiegend im Norden von England in den ehemaligen Grubengemeinschaften entstanden, sind nicht durchorganisiert. Auf diesen Bahnen lief Rusty. Aktivisten sagen, daß die Unterteilung zwischen lizenzierten und nicht lizenzierten Bahnen falsch ist. Tony Peters von Greyhound Action glaubt, daß die meisten der Hunde, die auf unlizenzierten Bahnen laufen, von lizenzierten Trainern sind (d.h. die Trainer gehören dem BGRB an. Laut den Richtlinien ist es verboten Hunde zu trainieren und sie dann auf den sogenannten „flapping tracks“ laufen zu lassen.). Allerdings ist nach Ansicht von Jeff McKenna, Sprecher der unabhängigen Rennsportsparte, das was Rusty geschah, außerhalb der Norm und absolut inakzeptabel. "Die meisten Hunde werden von Einzelpersonen und Familien, die sie als Haustiere halten, umsorgt. Wenn sie pensioniert werden, kommen sie zu ihrer Familie zurück, " sagt er. Die, die nicht von ihren Besitzern behalten werden können, werden über lokale Tierschutzorganisationen vermittelt.
Auf dem Höhepunkt des Hunderennsports in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, besuchten 100.000 Leute Veranstaltungen in White City. Aber in den folgenden Jahren wurden viele Bahnen gezwungen zu schließen. Der Sport erlebte eine Renaissance während der neunziger Jahre, als die junge Mittelschicht anfing mit den Hunderennen zu liebäugeln und den Sport als eine willkommene Alternative zu einer Nacht im Pub zu erleben. Emma Johns vom BGRB beharrt darauf, daß heutzutage das Windhundrennen sein Scheuklappen-Image abgelegt hat und in gutem Zustand ist. "Wir ziehen ein modernes, junges Publikum an und weil die Rennen um 22.30 Uhr beendet sind, gehen eine Menge Leute danach feiern“ sagt sie. Sie räumt ein, daß es eine "kleine aber energische" Anzahl von Tierschützern gibt, die den Sport angreifen, sagt aber, daß zu viele Leute annehmen, daß jedes Mal, wenn man einen ausgesetzten oder krank-behandelten Windhund sieht, dies ein Resultat des Sports ist. "Andere Rassen werden in großer Anzahl von der Öffentlichkeit ausgesetzt, von Leuten die meinen, daß ihre Hunde nicht mit den gerade modernen Rassen mithalten können. Das Problem mit den ausgesetzten Greyhounds wird übertrieben.“
Peters glaubt, daß die Tage der Hunderennen gezählt sind. Die Besucherzahlen in den Stadien schwinden, weil viele Rennen vor leeren Tribünen stattfinden. Die Rennen werden bei den Buchmachern live im Fernsehen übertragen, zur großen Freude der Wetter, die schon die Nachmittage bei den Buchmachern verbringen. Nur in Coventry sieht es etwas anders aus, dort wurde 2004 nach 18 Jahren die Rennbahn wieder eröffnet, dagegen gibt es unterstützte Proteste.
Greyhound Action lanciert dieses Jahr eine weitere Kampagne, die versucht, die sechs Hauptbuchmacher, einschließlich Ladbrokes und William Hill, die insgesamt 6 Bahnen in England besitzen, davon zu überzeugen, computergesteuerte "virtuelle" Hunderennen zu schalten. Peters glaubt, daß dies nicht nur die Nachfrage nach neuen Hunden verringert, sondern daß auch die finanzielle Unterstützung des Sports versiegt. Es verringert auch die Kosten der Buchmacher. "Den Nachmittagswettern ist es egal, auf was sie setzen. Wenn es kein Hunderennen ist, dann ist es etwas anderes."
Das größte Problem für die Greyhoundrennen könnte von der Regierung kommen. Peters sagt, daß ein neues Wettgesetz zur Folge haben wird, daß Geld und Wetter vom Sport getrennt werden. Dies hat die Konsequenz, daß der Zerfall der „Racing-Industry“ beschleunigt wird. Bis jetzt haben mindestens zwei Rennbahnen Interesse daran bekundet, „Super-Casinos“ zu werden.
Aber die Tierschützer richten ihr Augenmerk nicht nur auf Großbritannien. In Irland, wo 80 Prozent der Welpen für die Industrie gezüchtet werden, behaupten Protestler, daß frühere Rennhunde für Vivisektionen und Rennen oder Coursing auf das europäischen Festland verkauft werden. Die Industrie wurde vor kurzem zum Ziel der „Animal Liberation Front“. Im November wurden Teile der „Shelbourne Park“ Rennbahn von Aktivesten mutwillig zerstört. Eine Stellungnahme, die danach veröffentlicht wurde, besagt, daß die Aktion als Protest gegen das Abschlachten von Tausender Greyhounds auf das Konto des „Bord Na gCon“ (der Irisch Greyhound Board) ginge ...
Aktionen gegen Rennbahnen werden fortgesetzt, bis die Rennen aufhören.“ Die Aussage war mit dem ALF Slogan "bis alle frei sind." unterschrieben. Im vorigen Monat wurden die Reklametafeln von Kerry Food auf der Rennbahn von Limerick beschädigt. Die dafür Verantwortlichen sagten: „Dies ist eine Nachricht an die Greyhound Rennindustrie in Irland: Wir kommen wieder, bis Kerry Food aufhört, den Missbrauch von Tieren zu unterstützen.
Zusätzlich möchten Tierschutzrechter die Lage der Greyhounds in Australien hervorheben, wo, wie sie behaupten, viele ehemalige Rennhunde für Experimente nach Südostasien verschifft werden. In Großbritannien verlangen sie die Beendigung der Sektion an Hunden.
Die Gleichung ist einfach, sagt Peters. "wir nehmen an einem allmählichen Prozess teil, die Industrie in die Knie zu zwingen. Wenn es weniger Rennen gibt, werden weniger Greyhounds gezüchtet und somit weniger getötet. So einfach ist das“. Für Details der Kampagnen von Greyhound Action können Sie die Website www.greyhoundaction.co.uk besuchen, hier gibt es auch Einzelheiten zum „Remembering Rusty Event", der am 1. Mai stattfindet.