| Annie |
| Annie - Unser Lottogewinn Einleitend muss ich vorausschicken, dass bereits von 1984 1993 Greyhounds mein Leben begleitet haben und wir auch mit ihnen an Rennen teilgenommen haben. Während dieser Zeit habe ich das faszinierende Wesen und den Charme dieser Hunde kennen und lieben gelernt. Im Herbst 2007 fand auf der Rennbahn des Windhundrennverein Westfalen-Ruhr in Gelsenkirchen das alljährliche Standarten-Rennen statt und ich konnte Jürgen zu einem Besuch überreden. Es war schön, Vorstandskollegen aus den alten Tagen zu treffen und zu plaudern, aber noch schöner war es wieder Greys zu sehen. In den nächsten Wochen durchforstete ich das Internet nach zu vermittelnden Greys. Dies geschah völlig automatisch, wir hatten nicht geplant einen Hund zu adoptieren. Dabei traf ich auf GPI und ………………… Annie. Annie war einer der 100 Greys, die nach Schließung der Rennbahn Barcelona im April 2006 gerettet werden konnten. Ihr Leben war bis zu diesem Zeitpunkt erbärmlich, reduziert auf das Dasein als Sportgerät zur Gewinnmaximierung. Die Hunde wurden im spanischen Tierheim Scooby aufgefangen, ärztlich versorgt und sozialisiert (sie kannten kein Rudelverhalten, da sie nur in Einzelkäfigen gehalten wurden). Von Scooby kam Annie dann im August 2007 nach Willich auf die Pflegestelle zu Nina und Karl-Heinz Jordan. Auf der Homepage von GPI las ich, dass im Tierheim Bottrop Anfang November der traditionelle Büchermarkt stattfindet und ein Infostand von GPI ebenfalls vor Ort sein sollte. Nun, von Gelsenkirchen nach Bottrop ist es nicht weit, und so machten wir uns auf den Weg, um Informationen über GPI zu sammeln und um nach Annie zu fragen, die uns sehr gefiel. Noch immer hatten wir nicht konkret die Absicht, einen Hund zu uns zu nehmen. Aber kennen lernen wollten wir sie schon. In Bottrop am Stand von GPI sichteten wir das Info-Material und Dirk bat uns, genug davon mitzunehmen. Da fiel unser Blick auf die Hunde hinter ihm, die es sich auf einem Klappbett bequem gemacht hatten, darunter auch ein schwarzer Hund. Ich fragte Dirk, ob das Annie sei. „Ja, Sie können ruhig zu ihr gehen“ antwortete Dirk, und das taten wir. Annie lag auf dem Bett und wir streichelten sie. Bettina forderte sie auf aufzustehen, und so kam sie zu uns und drängte sich an uns. Es ist eine Eigenart von ihr, sich richtig fest an ihren Menschen zu drücken. In die Hocke gegangen kann man auch schon mal umfallen. Mein Herz machte einen Satz und nahm den schwarzen Hund in sich auf. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und auch Jürgen, sonst der Besonnenere von uns beiden, hatte sich in Annie verguckt. Nach einem netten Gespräch mit Bettina, Dirk und Rosi, gab mir Rosi ihre Karte und bat mich, doch einfach mal anzurufen oder zu den samstäglichen Treffen zu kommen. Annie ging uns nicht mehr aus dem Kopf, und der Gedanke sie zu adoptieren reifte immer mehr in uns. Ungefähr tausend Mal fragten wir uns gegenseitig: „ Sollen wir sie adoptieren? Wie denkst du darüber? Es wird bestimmt gut gehen.“ In meinen Gedanken gab es keinerlei Probleme mit ihr, hatte ich doch schon Greys mit denen alles bestens geklappt hatte. Was sollte schon groß anders mit ihr sein? Letztendlich stand der Entschluss fest, Annie bei uns aufzunehmen. Unsere berufliche Abwesenheit beträgt am Tage ca. 7 Stunden. Dies ist schon ziemlich das Limit, was das Alleinbleiben eines Hundes betrifft. Aber im Gegensatz zu anderen Tierschutzorganisationen stehen die Leute von GPI Gott sei Dank auf dem Standpunkt: Besser ein Zuhause mit einigen Stunden des Alleinseins, als kein Zuhause. Während eines Besuchs der Samstagstreffen bei Nina und Karl-Heinz in Willich, konnten wir dann mit Annie auch spazieren gehen und viele andere Hunde und Menschen kennen lernen. Annie durfte auch ins Haus, doch war es ziemlich stressig für sie, denn sie kannte ja noch kein Zusammenleben mit Menschen. Man konnte auch den Eindruck gewinnen, andere Hunde braucht sie nicht unbedingt zum Glücklichsein. Nachdem die Vorkontrolle durch Melanie und Dirk bei uns stattgefunden hatte konnten wir unser Mädchen am 07.12.2007 endlich abholen. Zu Hause war so weit alles hergerichtet, wir hatten noch etwas umgestellt, und auch der erste eigene Korb wartete darauf, eingeweiht zu werden. Nach einem ersten, langen Spaziergang betrat die schwarze Schönheit ihr neues Zuhause. Völlig gelassen überprüfte sie die Wohnung, um sich anschließend auf der Couch niederzulassen und zu schlafen, als wäre es das Normalste von der Welt. Wieder erwacht, spielte sie mit ihrem Quietschehund und machte beim abendlichen Füttern einem Staubsauger alle Ehre. Es war kaum zu glauben, dass dieser Hund heute erst eingezogen war, alles war normal. Spät abends schlief sie tief und fest, so dass wir zu Bett gingen, ohne dass sie erwachte. Da ich es von meinen früheren Hunden nicht anders gewohnt war, ließen wir die Tür zum Schlafzimmer geschlossen. Ein großer Fehler, wie sich herausstellen sollte. In der Nacht wurden wir durch Bellen und Jaulen geweckt - die übrigen Familien im Hause sicher auch. Annie wollte ins Schlafzimmer, aber ich dachte, lass sie noch etwas bellen, sie wird sich schon beruhigen und dann ist dieses Thema morgen durch. Annie beruhigte sich jedoch nicht und steigerte sich immer mehr in ihr Verhalten hinein. Sie kratzte an der Tür und gab keine Ruhe. Irgendwann bin ich aufgestanden und habe geschimpft. Doch da hatte sie schon ins Wohnzimmer ein Häufchen gelegt und auch Pipi gemacht. Sie war total gestresst und hatte Schuppen am ganzen Körper. Irgendwie haben wir die Nacht dann herumgekriegt und am anderen Tag sofort eine „Hilfemail“ an Rosi geschickt. Sie teilte uns mit, dass ihre Hunde, und auch die Hunde anderer Mitglieder, alle im Schlafzimmer schlafen. Man, was waren wir, oder besser gesagt ich, denn das ging ja auf meine Kappe, bescheuert. Natürlich möchte der Hund auch nachts bei seinem Rudel sein, erst recht, wenn er gerade ein neues Rudel gefunden hat und noch ein wenig unsicher in der neuen Umgebung ist. Am anderen Abend stellten wir ihren Korb ins Schlafzimmer und alles war in Ordnung. Auch heute schläft sie noch bei uns, obwohl es schon mal vorkommt, dass sie in der Nacht ins Wohnzimmer wechselt. Aber am liebsten ist sie bei uns. Ins Bett zu kommen hat sie nur einmal versucht. Wenn sie jetzt durch die Wohnung tobt und in ihrer Raserei zum Sprung auf´s Bett ansetzt, können wir sie quasi in der Luft abrufen und sie springt nicht drauf. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel dieser Hund mitbringt, obwohl er vorher nichts kannte. Annie ist in den meisten Dingen so leicht erziehbar, eigentlich erzieht sie sich selbst. Einmal erklärt, dass Leckerchen nicht auf der Couch, sondern nur im Korb gefressen werden dürfen, und sie hält sich daran. Geben wir ihr im Flur ein Schweineohr, trabt sie sofort in ihren Korb. Den Kopf hat sie sich an der Glastür vom Balkon nur einmal gestoßen, auf den Glastisch wollte sie nur einmal springen. Sie bettelt nicht bei Tisch und an der Leine läuft sie traumhaft. Nur eines wollte sie nicht ……………………Alleinbleiben!!!!!!!! Dabei fing alles so prima an. Kurz nachdem Annie eingezogen war, haben wir das Alleinbleiben für ein paar Minuten geübt. Alles bestens, sie blieb ruhig. Das ganze haben wir dann bis auf eine halbe Stunde immer weiter gedehnt, auch das klappte vorzüglich. Doch irgendwann kippte die Situation. Wir können uns heute noch nicht erklären, woran es lag. Aber unser Hund bellte das ganze Haus zusammen, sobald wir die Wohnung verließen. Bei den Nachbarn baten wir um Verständnis für die Eingewöhnungsphase unseres Hundes. Und weiter hieß es immer wieder üben. Wir hatten es so geplant, dass Jürgen nach einer Handgelenksoperation die erste Zeit zu Hause sein würde und ich anschließend, wenn er wieder arbeiten gehen würde. So war Jürgen zu dieser schlimmen Zeit allein mit Annie. Es war sein erster Hund, und die Situation nahm ihn richtig mit. Er konnte für keinen Moment die Wohnung verlassen, ohne dass Annie Theater machte. In dieser Zeit hat er einige Kilo verloren. Hinzu kam die Tatsache, dass Annie nicht die Treppen bei uns im Haus hinunter gehen wollte. Wohlgemerkt, nur die Treppen Zuhause. Jede andere Treppe fitschte sie wie ein Pitschendopp rauf und runter. Ihr ist nie etwas auf der Treppe zugestoßen, sie ging sie einfach nur nicht. Weder mit Leckerchen, noch mit Spielzeug war sie zu locken. So blieb uns nichts anderes übrig, als sie die Stufen von und bis zur 2. Etage rauf und runter zu tragen, mehrmals am Tag. Wir müssen gestehen, dass wir zweimal kurz davor standen uns wieder von Annie zu trennen. Hinzu kam die Tatsache, dass wir bald wieder arbeiten mussten. Denn mittlerweile waren ca. 4 Wochen vergangen und nichts hatte sich, was das Alleinbleiben und Treppensteigen betraf, gebessert. Im Gegenteil, um Silvester herum wurde es noch schlimmer. Aus Angst vor den lauten Knallgeräuschen wollte Annie gar nicht mehr aus der Wohnung. Neujahr sind wir zum Pipi machen aufs Land hinaus gefahren, da sie sich wegen der Knallgeräusche zuhause gar nicht lösen wollte. Allerdings konnten wir mit der Zeit feststellen, dass Annie nicht unter wirklicher Trennungsangst litt, denn im Auto blieb sie völlig ruhig allein, bis zu einer Stunde sogar. Diese Tatsache, die Gespräche mit Freunden, die uns Mut machten, Annie nicht aufzugeben und die Unterstützung von Rosi und ihr Rat, uns und Annie nicht unter Druck zu setzten, haben uns bewogen, es weiter zu versuchen. …………….. Und irgendwann klappte es dann mit dem Alleinbleiben. Sie schien verstanden zu haben, dass wir immer wieder kommen, auch wenn es lange dauert. Lag sie anfangs noch die ganze Zeit vor der Eingangstür, kommt sie uns nun aus dem Wohnzimmer entgegen gesprungen, um uns vor Freude die Klamotten vom Leib zu reißen………. na ja, fast jedenfalls. Mir hatte sie bei einer Begrüßung ihre Krallen durchs Gesicht gezogen, so dass ich wie Scarface aussah. Die Treppen sind immer noch ein kleines Handicap. Vor ein paar Wochen noch mussten wir mit einer Taschenlampe bewaffnet ca. 2-3 Lichtphasen im Hausflur warten, bis sie die Treppen runter ging. Das hat sich schon sehr gebessert. Mal geht sie sie ohne Leine sofort runter, am anderen Tag rast sie eine Etage höher, kommt dann sofort die Treppen runter gesprungen und bleibt vor der nächsten Treppe stehen wie ein Esel. Versteh’ einer diesen Hund. Aber diese kleine Macke wollen wir ihr gönnen. Denn ansonsten ist sie das Beste was uns passieren konnte. Wir drei lieben die gemeinsamen Spaziergänge, sie kann bei einem Freund auf einem großen, eingezäuntem Grundstück frei laufen und sich entfalten. Sie liebt es, ihre Runden zu ziehen und Gegenstände tot zu schütteln. Wir denken, sie braucht das Freilaufen ab und zu, danach leuchten ihre Augen und sie sieht so glücklich aus. Ihre Muskulatur wird wieder aufgebaut und sie bekommt ein Mittel, dass ihren Bändern und Gelenken zu Gute kommt und Arthrose vorbeugt. Seitdem sie frei laufen darf, ist sie viel ausgeglichener und oft richtig albern. Sie weiß inzwischen, dass sie Annie heißt und hört meistens gut, wenn es für sie von Vorteil ist, auf ihren Namen. Ihr Fell glänzt und für uns ist sie der schönste Hund der Welt. Wir lieben sie sehr und allein der Gedanke, sie wäre nicht mehr bei uns, treibt mir die Tränen in die Augen. Wir liegen oft mit ihr auf ihrem Flauschteppich und knuddeln sie, oder sie liegt halb auf unserem Schoß auf der Couch und genießt die Streicheleinheiten. Gehen wir abends mal weg, bleibt sie gelassen auf der Couch liegen. Verlassen wir tagsüber die Wohnung, weiß sie genau wann sie mit darf und wann nicht. Sie tut uns gut und wir ihr hoffentlich auch. Unser Zusammenleben wird immer harmonischer und das gegenseitige „sich lesen können“ macht enorme Fortschritte. Oft muss ich an Rosis Zeilen denken, die sie mir ganz zu Anfang, als wir Annie noch nicht hatten, mailte. Darin brachte sie zum Ausdruck, dass die Menschen die Annie einmal zu sich nehmen würden, einen Sechser im Lotto bekommen. Wie Recht sie hatte! ! ! ! ! ! Diese Hündin ist unser persönlicher Lottogewinn, denn sie macht uns glücklich. Geld allein dagegen macht bekanntlich nicht glücklich. Fragen Sie mal Robbie Williams oder Britney Spears. Wir freuen uns auf viele Jahre mit Annie. Mechthild und Jürgen Müller Update vom 23.11.2008............. nun ist es schon fast ein Jahr her, dass Annie zu uns kam.
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