Patrice
ABENTEUER ZWEITHUND

Lange Zeit schon sind wir mehrmals in der Woche in unser nahegelegenes Tierheim gefahren, um dort mit den Hunden spazieren zu gehen.

Wir, das sind meine Tochter Magdalena (7 Jahre), mein Lebensgefährte Fabrizio (ein waschechter Italiener) und ich, Heike.

Schnell kam dabei die Überlegung auf, wie es wohl mit einem eigenen Hundwäre und ob wir überhaupt die nötige Zeit dafür aufbringen könnten.

Nach etwa einem halben Jahr haben wir uns dann für die Adoption eines eigenen Hundes entschlossen. Es sollte ein Hund aus dem Tierschutz sein, gerne ein älteres, ruhiges Tier und am allerliebsten ein Windhund.

Im März 2007 war es dann soweit! Wir adoptierten unseren ersten Hund

Robin, ein Greyhound, 7 Jahre alt.


Alles war sehr aufregend und spannend. Robin hatte in seinem bisherigen
Leben wohl viel Negatives erfahren müssen und auch in Deutschland
mehrere Adoptionswechsel hinter sich. So war er in vielen Situationen
sehr skeptisch, unsicher und ängstlich im Umgang mit Männern.
Er schloss sich mir sehr schnell an und vertraute mir mit all seinem Mut, den er
nur aufbringen konnte.

Unser Leben veränderte sich schnell, viele oberflächliche Dinge wurden
nichtig, wir genossen die Spaziergänge in der Natur und Magdalena lernte
sehr schnell den sensiblen Umgang mit unsicheren Tieren.
Es ist schon erstaunlich wie viele Informationen wir alle nutzen
konnten, zum Beispiel mit Calming-Signals (Beschwichtigungssignale), die
wir regelmäßig in den Alltag integrierten, um Robin eine gute Stütze zu
sein.

Magdalena lernte sehr schnell, daß viele Hundebesitzer davon scheints
nie etwas gehört haben und stellte ganz alleine fest, wie viele
Hundebesitzer Dinge falsch machen.

Aber "komplett" fühlten wir uns noch nicht. Immer wieder überlegten wir,
wie es wohl mit einem zweiten Windhund wäre. Natürlich war uns klar, daß
wir uns damit im Ruhrgebiet zu den Exoten zählen konnten, aber der
Gedanke noch einem zweiten Tierschutzhund eine Chance geben zu wollen,
verließ uns nicht. Es sollte eine Hündin sein, möglichst angstfrei und
souverän, gerne älter und ruhig.

So stieß ich ca. 8 Monate später auf die Internetseite von GPI und sah
dort eines Tages Patrice. Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf, ihre
Augen, ihr Blick und ihre Ähnlichkeit mit Robins Hundegesicht.
Es ließ mir keine Ruhe mehr, bis ich meine erste mail an Rosi Fassbender
sendete.

Sie lud uns spontan zum Tag der offenen Tür ein, um Patrice und alle
anderen Adoptionshunde kennenlernen zu können.
Da aber auch andere Gasthunde erwartet wurden, mußte ich die Einladung
schweren Herzens absagen, denn Robin fühlt sich in solchen Situationen
mit vielen unbekannten Hunden schnell überfordert und ist dann sehr
angespannt. Schade dachte ich, das war es dann wohl mit Patrice.

Aber völlig unerwartet bekamen wir bekamen sogar eine Sondereinladung in
den Privathaushalt von Nina und Karl-Heinz Jordan, ohne weitere
Gasthunde. Über soviel Rücksichtnahme waren wir natürlich sehr erstaunt.

Also fuhr ich mit meiner Tochter und Robin zu Jordans (Fabrizio ist
aufgrund seiner Selbständigkeit in der Gastronomie leider zeitlich sehr
eingespannt) und konnte Patrice endlich hautnah kennenlernen. Sie schoß
in unser Herz wie eine Pfeilspitze. Und auch Robin und Patrice fanden
sich ganz okay - das war ja das Wichtigste!
Obwohl Patrice wohl nicht unbedingt zu Kindern vermittelt werden sollte,
schleckte sie Magdalena schon nach kurzer Zeit quer durch das Gesicht
und blieb gerne in ihrer Nähe auf dem Sofa.
In gemütlicher Runde haben wir uns mehrere Stunden über Hunde
ausgetauscht und kennengelernt. Bei einem Spaziergang mit Robin und
Patrice konnten wir die beiden zusammen weiterhin beobachten. Es war ein
toller und erfahrungsreicher Nachmittag!

Wir erfuhren, daß Patrice eine Hündin mit Ehrlichiose sei, und bekamen
viele Informationen und Erfahrunswerte dazu. Für uns war die Erkrankung
absolut kein Grund zu einer Absage des Adoptionsinteresses, sondern
eher eine neue Herausforderung, wie auch Robins Unsicherheit.

In der darauffolgenden Woche hatten wir natürlich nur ein Thema:
Patrice! Ob wir wohl eine positive Vorkontrolle bekämen? Unser Garten
ist nur gerade mal so groß, daß sich die Hunde darin Sonnen können.
Ob wir wirklich einen zweiten Hund adoptieren sollten, wo doch mit Robin
alles so ruhig verläuft? Tausend wilde Gedanken schossen uns durch den
Kopf, bis die Nachricht kam: Wir dürfen Patrice adoptieren!
Leider bekam ich so kurzfristig keinen Urlaub (ich arbeite 4 Stunden am
Vormittag). Aber Rosi mailte mit völliger Überzeugung, daß ein Urlaub
dafür auch nicht nötig sei, es würde bestimmt auch so klappen.
Ihr Wort in Gottes Ohr, dachte ich!

So holte ich Patrice eine Woche später am 24. November 2007, ab; verfuhr
mich vor lauter Aufregung noch und kam im Dunkelen bei Jordans an. Beim
Anblick von Patrice machte mein Herz einen Hüpfer, obwohl ich auch sehr
nervös war und immer überlegte ob das alles so richtig sei. Nina und
Karl-Heinz waren wieder sehr fürsorglich und kannten ja schon Robins
Unsicherheit vor allem was ihm unbekannt ist.

Die Rückfahrt mit den beiden Windis verlief trotz Dunkelheit völlig
problemlos, aber in der Wohnung fing das Drama an:

Patrice sprang wie eine wilde Hummel durch das Wohnzimmer, über die
Couchlehne auf den Wohnzimmertisch, schmiß direkt die große Palme um und
entdeckte den Wellensittich, der in der Küche im Käfig stand.
Lecker Abendessen dachte sie wohl und startete unaufhörlich Angriffe auf
den Vogelkäfig. Ja, sie ist eine excellente Jägerin!
Robin schaute mich mit völlig verzweifelten Augen an als wollte er
sagen: Schau an, was Du nun gemacht hast! Reiche ich als Einzelhund
nicht aus? Jetzt haben wir ein Problem!

Ja, die folgende Stunde war auch tatsächlich ein Problem, denn ich
versuchte verzweifelt das Leben des Wellensittichs zu retten.
Völlig am Ende mit meinem Latein konnte nur noch ein Spaziergang helfen,
um neue Kräfte und Ideen zu sammeln.

So konnte ich Patrice auch bei der Gelegenheit Fabrizio vorstellen, der
sie bis dahin leider nur aus dem Internet kannte. Und ich wollte
vermeiden, daß sie sich erst Nachts nach der Arbeit zum ersten Mal
begegneten.

Von Robin kannte ich ja die große Skepsis in Bezug auf Männer, vor allem
bei südländischen Männern. Aber als Patrice und Fabrizio sich zum ersten
Mal sahen, war es die absolute Liebe auf den ersten Blick. Als würde sie
ihn nach langer Zeit endlich wiedersehen! Dieser Moment war so
unglaublich, daß mir die Tränen in die Augen schossen.

Sie ließ es sich auch nicht nehmen, total stolz mit Fabrizio durch die
Pizzeria zu gehen und jeden männlichen Gast der dort anwesenden
Fußballmannschaft persönlich zu begrüßen! Und als es dann noch ein
Leckerchen gab, wäre sie am liebsten gleich dort geblieben, während
Robin es vorzog, lieber draußen vor Kälte bibbernd auf sie zu warten.

Der ganze Trubel des Tages machte Patrice scheints absolut nichts aus,
sie spazierte gut gelaunt in ihr neues zu Hause und schlief friedlich
tief und fest bis zum nächsten Morgen.

Den Vogelkäfig habe ich auf den hohen Kühlschrank gestellt und tagsüber
immer wieder auf die eigentliche Küchenablage. Schon am dritten Tag war
der Vogel für Patrice eher uninteressant.

Futterneid, Liegeplatzunstimmigkeiten oder das Alleinesein der beiden
Hunde war von Anfang an problemlos, wie Rosi es vorhersagte.
Robin schaut sich viel von Patrice ungebrochener Freude am Leben ab und
geht sogar nach ihr auf fremde Menschen zu. Kinder und Männer liebt
Patrice über alles und nach kurzer Zeit weiß Robin dann, daß nichts
Schlimmes passiert, sondern läßt sich auch gerne kraulen.

Sie ergänzen sich hervorragend, sind zwar keine
Miteinander-Kuschelhunde, aber akzeptieren sich vollkommen. Sie erkunden
täglich Nase an Nase ihre nun sorgenfreie neue Welt und orientieren sich
aneinander sehr.

In der Pizzeria bzw. im Eiscafe haben sie eine extra Liegedecke und
sorgen am Wochenende immer wieder für erstaunte Gäste, wenn sie während
des Abendessens friedlich auf der Decke schlummern. So konnten wir schon
vielfach auf das Leid der Galgos aufmerksam machen. Sogar ein
Mitarbeiter mit anfänglicher großer Angst vor Hunden freut sich auf die
beiden und streichelt sie gerne und verteilt sogar mittlerweile Leckerchen.

Wir bereuen zu keinem Zeitpunkt unsere Entscheidung für das
Abenteuer-Zweithund, sondern können jedem nur empfehlen einem unsicheren
Hund einen souveränen Hundekumpel zu gönnen. Viele Unsicherheiten
relativieren sich dann ganz automatisch.

Auch das Thema Ehrlichiose ist absolut kein Problem. Es läßt sich durch
Blutwerte kontrollieren und erfordert eventuell eine Therapie mit
einem Antibiotikum. Der geringe Mehraufwand durch einen zweiten Hund
wird wirklich tausendfach entschädigt! Das gesamte GPI-Team ist
jederzeit Ansprechpartner bei Fragen oder in schwierigen Situationen.

Die beiden Oldies gehören zu unserem Leben absolut dazu und wir genießen
jeden neuen Tag mit ihnen gemeinsam. Sie sind für unsere Familie eine
große Bereicherung, die wir nicht mehr missen wollen.

Heike, Fabrizio und Magdalena

mit Robin und Patrice