Trennungsangst
Sie tritt bei Hunden auf,
  • die entweder eine besonders starke Bindung zu ihren Besitzern haben
    (die Hunde sind bemüht, ständig in der Nähe ihrer Menschen zu sein und laufen überall
    mit hin).
  • bei denen eventuell eine traumatische Situation während des Alleinseins aufgetreten ist, oder die
    allein gelassen oder ausgesetzt wurden.
  • die niemals gelernt haben, alleine zu bleiben.

Für diese Hunde bedeutet Alleinsein STRESS, der sich in körperlichen Symptomen äußern kann, wie:

  • Herzrasen,
  • vermehrter Speichelfluss,
  • unkontrollierter Kot- und Harnabsatz,
  • Erbrechen,
  • Zittern am ganzen Körper u.a.
  • Wenn der pychische Stress zu stark ist, versucht der Körper Wege zu finden, diesen Druck durch bestimmte Stress abbauende Verhaltensweisen zu vermindern.

Dazu dienen verschiedene Strategien wie

  • das Zerbeißen v. Gegenständen (oft solche, die mit dem Geruch des Besitzers behaftet sind)
  • das Kratzen und Beißen an der Haustür / an Fenstern
  • der Kontrollverlust über die Schließmuskel,
  • lang andauerndes Bellen, Weinen oder Winseln.

Machen Sie sich frei von menschlichen Wertvorstellungen!

Der Hund bellt nicht, weil er „protestiert“ und seine Menschen nur für sich haben will; er zerstört Dinge nicht, weil er sich „rächen“ will („Rache“ gibt es im Verhaltensrepertoire von Hunden überhaupt nicht).

Machen Sie nicht den Fehler, Ihren Hund für sein Fehlverhalten zu strafen!

Für einen Hund, der unter „Trennungsangst“ leidet, ist STRAFE niemals eine geeignete Therapie-Maßnahme. Stattdessen schüren Strafen zusätzliche Angst, etwa vor Ihrer Wiederkehr. In dieser Situation zeigt der Hund das Unterwürfigkeitsverhalten, weil er an Stress leidet, mit Stress abbauendes Verhalten reagiert, der Besitzer bei seiner Rückkehr wütend wird( der Hund hat ja etwas angestellt) und er immer bestraft wurde, vermeintlich weil der Besitzer sein verhalten interpretiert als; „Er weiß ganz genau, was er gemacht hat“.

Ziel sollte es sein, das Hundeverhalten dahingehend zu verändern,
dass beim Alleinsein kein Stress-Zustand mehr auftritt!

  • 1. Im Haus sollte öfters eine kurze Trennungssituation geschaffen werden. Verlassen Sie das Zimmer, in dem Sie sich gemeinsam mit dem Hund befinden, alleine. Gehen Sie evtl. in den Keller zum Wäsche aufhängen, leeren Sie den Briefkasten, oder suchen Sie die Toilette auf. Die Türen müssen Sie, wie erwähnt, hinter sich schließen.
  • 2. Sind Sie mit dem Hund in einem Zimmer, sollten Sie zu ihm eine zunehmende räumliche Distanz aufbauen. Dies lässt sich mit einer Hinlegen- (Platz/Bleib) Übung trainieren. Diese Kommandos sollten natürlich vorher sicher trainiert werden. Bleibt der Hund in einer gewissen Entfernung liegen, loben Sie ihn (dazu gehen Sie zu ihm hin und belohnen ihn mit tollen Leckerchen). Bitte loben Sie ihn nicht, wenn er zwischendurch aufsteht und versucht, zu Ihnen zu kommen.
    Nach und nach sollte sowohl die Entfernung, als auch die Zeitspanne des Liegens verlängert werden. Dazu empfiehlt es sich, die Schlafdecke des Hundes zu benutzen, da er hiermit Entspannungssituationen verknüpft.
  • 3. Der Hund darf Ihr KOMMEN und GEHEN nicht zu aufregend finden:

Weggehen:
Hier müssen bestimmte Abschieds-Signale "entkoppelt" werden, die sonst unbe-
merkt zur Entwicklung einer Stressreaktion beigetragen haben,

Zuerst sollten kurze Trainings-Einheiten geübt werden, in denen der Hund möglichst die Platz-
Bleib-Übung ausführt:

1. kurz weggehen,
2. wiederkommen, bevor der Hund Stress bekommt
Man entkoppelt das Signal "Haustür", diese Zeitspanne langsam steigern.

  • Den Schlüssel des Öfteren nebenbei in die Hand nehmen und nach kurzer Zeit wieder hinlegen,ohne jedoch wegzugehen.
    Man entkoppelt das Signal "Schlüssel".
  • Jacke und/oder Schuhe anziehen, ohne wegzugehen.
    Man entkoppelt das Signal "Anziehen".
  • Beim wirklichen Weggehen, die Schuhe und Jacke möglichst draußen anziehen, evtl. über
    eine Kellertür aus dem Haus gehen.
  • Abschiedszeremonien wie z.B. "und schön artig sein...........", in einem mitleidigen Ton,
    verbunden mit Streicheln ganz und gar weglassen (Hunde untereinander kennen KEINE
    Abschiedsszenen)!!!
  • Vor dem Alleinlassen, sollte der Hund genügend Bewegung gehabt haben und müde sein.
    Jedoch sollte zwischen dem letzten Spaziergang und dem Weggehen ein ausreichender
    zeitlicher Abstand von mindestens 30 Minuten liegen.
  • Ca. 30 Min. vor dem Weggehen, sollte der Hund nicht mehr so stark beachtet werden.
  • Besondere "Gemütlichkeits-Rituale", wie Fernseher oder Musik, die Sie sonst zusammen mit dem
    Hund genießen, nutzen. Dies bedeutet, den Fernseher und die Musik laufen lassen, sobald Sie
    das Haus verlassen.

Sie kommen nach Hause:

Sie sollten den Hund nicht zu stürmisch begrüßen (Anspringen ignorieren, d.h. drehen Sie sich bitte weg, oder verschränken Sie die Arme, sagen Sie nichts, schauen Sie weg, bis Ihr Hund sich beruhigt hat. Dann sagen Sie evtl. Sitz/Platz und loben ihn.

Ihre Heimkehr sollte etwas ganz Normales sein und keine „ERLÖSUNG“, warten Sie deshalb auch mit der Gassi-Runde noch einige Zeit (15-30 Min.)!

Bei starkem Zerstörungs-Verhalten kann die Benutzung einer Therapiebox in der Anfangsphase von großem Nutzen sein. Diese hat den Vorteil, dass der Hund ein Gefühl von Geborgenheit erleben kann, sozusagen eine Höhle zum Rückzug geboten bekommt.

Auf jeden Fall muss der Hund eine positive Verknüpfung mit der Box aufbauen können. Zuerst wird er täglich darin gefüttert, es wird mit ihm darin gespielt, Lieblingsdecke und Lieblingsspielzeug kommen hinein; dies alles erfolgt unbedingt bei geöffneter Box-Tür.

Wenn er ohne zu zögern hineingeht, sollte er die Platz-Bleib-Übung darin ausführen und viel Lob dafür ernten. Dies sollte anfangs noch bei geöffneter Tür, später dann mit geschlossener Tür geübt werden, bitte langsam von Sekunden auf Minuten steigern.

Sollten Sie Ihren Hund nach genügend langer Gewöhnungszeit in der Box allein lassen, geben Sie ihm zur Beschäftigung / zum Abreagieren etwas zum Zerbeißen hinein (Kauknochen, Stock, Spielzeug).