Wenn ein Greyhound für die Rennbahn nicht mehr gut genug ist …



Manche Greyhounds werden bereits im Alter von ein bis drei Jahren aus dem Rennsport aussortiert – weil sie nicht schnell genug sind, die erwartete Leistung nicht mehr bringen, sich verletzt haben oder aus anderen Gründen nicht mehr für den Rennbetrieb infrage kommen.
Ihr Leben beginnt eigentlich gerade erst. Für uns sind diese Hunde keine ehemaligen Leistungsträger, sondern fühlende Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, individuellem Charakter und dem Recht auf ein liebevolles Zuhause.
Viele kennen bisher vor allem Training, Zwinger und Rennbahn. Das Leben als Familienhund müssen sie erst kennenlernen. Wir möchten ihnen dabei helfen, ohne Leistungsdruck anzukommen – mit Liebe, Geborgenheit und einem großen Sofa. Denn Greyhounds sind meist echte Kuschelfans und genießen gemütliche Stunden zu Hause. ❤️
Ein Sprinter ist kein Marathonläufer!

Greyhounds sind für kurze, explosive Sprints gezüchtet. Danach brauchen sie Ruhe. Lange Wanderungen, Trekkingtouren oder sportliche Höchstleistungen sind deshalb nicht für jeden Greyhound geeignet.
Drei gemütliche Spaziergänge am Tag, angepasst an Alter, Gesundheit und Charakter, reichen vielen Hunden völlig aus. Bei Hitze ist besondere Vorsicht geboten: Spaziergänge sollten kürzer ausfallen und möglichst in die kühlen Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.
Gelegentliche Sprints sind natürlich willkommen – aber nur sicher und gut vorbereitet.
Rennen? Ja, bitte – aber sicher!

Freies Rennen ist für viele Greyhounds ein wichtiger Teil ihres Wohlbefindens. Es sollte ausschließlich in großen, sicher eingezäunten Ausläufen oder einem wirklich ausbruchsicheren Garten stattfinden.
Niedrige Zäune, offene Tore oder leicht überwindbare Begrenzungen reichen nicht aus. Wer keinen eigenen geeigneten Auslauf hat, sollte Zugang zu einer sicheren Freilauffläche haben. Wie oft ein Greyhound rennen möchte, ist individuell und hängt unter anderem von Alter und Gesundheit ab.
Vor dem Rennen aufwärmen – danach langsam abkühlen! 🐾

Ein Greyhound sollte niemals direkt aus dem Auto auf die Wiese gelassen werden, um sofort loszusprinten. Vorher sollte er sich bei einem kurzen, gerne etwas flotteren Spaziergang aufwärmen.
Nach dem Freilauf ist eine ruhige Runde wichtig, damit sich Atmung und Herzfrequenz langsam normalisieren. Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein. Bei hohen Temperaturen sollte auf intensive Sprints möglichst verzichtet werden.
Was ist die Greyhound-Sperre?
Die sogenannte Greyhound-Sperre, medizinisch belastungsbedingte Rhabdomyolyse, kann infolge intensiver körperlicher Belastung auftreten. Dabei werden Muskelzellen geschädigt. In schweren Fällen können die freigesetzten Muskelbestandteile sogar die Nieren belasten.
Ungewohnte, intensive Belastung, Hitze und Flüssigkeitsmangel erhöhen das Risiko. Im normalen Familienalltag ist die Greyhound-Sperre glücklicherweise selten – die Warnzeichen sollte trotzdem jeder Halter kennen:
Läuft der Hund nach dem Rennen plötzlich steif, zeigt starke Schmerzen, schwankt, kann sich kaum bewegen oder setzt dunkelbraunen Urin ab, handelt es sich um einen tiermedizinischen Notfall. Der Hund darf nicht weiter belastet werden und muss sofort tierärztlich versorgt werden.
„Der will doch nur spielen!“ – Nicht unbedingt!

Greyhounds wurden über Generationen darauf selektiert, schnelle Bewegungsreize zu verfolgen. Bei ehemaligen Rennhunden wurde dieses Verhalten zusätzlich trainiert.
Manche Greyhounds spielen problemlos mit anderen Hunden. Bei anderen kann eine wilde Rennerei jedoch in ernsthaftes Jagdverhalten umschlagen – besonders bei kleinen oder ängstlichen Hunden. Für den gejagten Hund ist das kein Spiel, sondern kann lebensgefährliche Panik auslösen.
Deshalb müssen Halter ihren Hund gut einschätzen, aufmerksam bleiben und rechtzeitig eingreifen. Auch das Zusammenleben mit Katzen, Kaninchen oder anderen Kleintieren muss individuell geprüft werden.
Unser irischer Partner Paul kennt seine Hunde gut. Zusätzlich lernen wir unsere Greyhounds auf GPI-Pflegestellen im Alltag kennen und können so besser einschätzen, welches Zuhause zu ihnen passt.
Freilauf? Ein Thema, über das man ehrlich sprechen muss!
Ein Greyhound wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sein Leben lang außerhalb sicher eingezäunter Bereiche an der Leine geführt werden müssen.
Nur in seltenen Ausnahmefällen ist Freilauf außerhalb gesicherter Flächen denkbar. Ein Hase, ein Reh oder ein anderer schneller Bewegungsreiz kann den Jagdtrieb jederzeit auslösen – selbst bei einem bisher zuverlässig wirkenden Hund. Rückrufsignale erreichen ihn dann möglicherweise nicht mehr.
Wer sich einen Hund wünscht, der regelmäßig ohne Leine über Felder oder durch den Wald läuft, sollte sich gegen einen ehemaligen Renn-Greyhound entscheiden.
Das bedeutet jedoch keine geringere Lebensqualität. Greyhounds können auch an der Leine abwechslungsreiche und glückliche Spaziergänge genießen. Viele laufen angenehm, ziehen wenig und begleiten ihre Menschen ruhig durch den Alltag. Gut eingewöhnte Hunde sind häufig auch in der Stadt, im Park oder im Café gelassen. Sensible Greyhounds brauchen in neuen Situationen entsprechend mehr Zeit und Unterstützung.

Für die Sicherheit empfehlen wir eine doppelte Sicherung mit gut sitzendem Sicherheitsgeschirr, passendem Halsband und stabilen Leinen – insbesondere während der Eingewöhnungszeit. Auch Türen, Tore und Transportmöglichkeiten müssen sorgfältig gesichert werden.
Die Ruhe selbst – unsere geliebten Couch-Potatoes

Im Haus sind viele Greyhounds genügsam, geduldig und entspannt. Sie müssen nicht ständig beschäftigt werden und schlafen gerne in der Nähe ihrer Menschen – auch während des Homeoffice.
Manche müssen sich zunächst an Treppen, Haushaltsgeräusche oder das Leben in einem Haus gewöhnen. Auch das Alleinbleiben sollte gegebenenfalls langsam aufgebaut werden. Mit Geduld und Verständnis finden viele Greyhounds erstaunlich schnell in ihren neuen Alltag.
Hundeschule mit einem Greyhound? Ja, sehr gerne!

Greyhounds können viel Freude am gemeinsamen Lernen haben. Sie sind intelligent, mögen aber meist keine endlosen Wiederholungen. Kurze, abwechslungsreiche Trainingseinheiten funktionieren besser als ständiges Üben.
Eine gute Hundeschule arbeitet mit positiver Verstärkung und berücksichtigt die besonderen Eigenschaften dieser Hunde. Druck, harte Korrekturen und strenge Methoden sind nicht geeignet. Greyhounds profitieren von ruhiger, klarer und freundlicher Anleitung.
Ein ganz besonderer Familienhund ❤️
Wer einen ehemaligen Renn-Greyhound adoptiert, bekommt einen sensiblen, oft unglaublich sanften Begleiter. Manche Dinge, die für andere Hunde selbstverständlich sind, müssen sie erst kennenlernen: Treppen, Staubsauger, fremde Geräusche oder das Leben im Haus.
Mit Geduld und Vertrauen entwickeln sie sich häufig zu wunderbaren Familienhunden. Und irgendwann liegt der ehemalige Hochleistungssportler auf dem Sofa und scheint zu sagen:

„Rennbahn? Welche Rennbahn? Ich bin jetzt Familienhund!“ ❤️
Entscheidend sind kein riesiger Garten und keine besondere Hundeerfahrung, sondern ein sicherer Alltag, Liebe, Geduld und die Bereitschaft, auf die individuellen Bedürfnisse des Hundes einzugehen.
❤️ Ein Greyhound-Leben lang an eurer Seite
Mit der Adoption endet unsere Verantwortung nicht. Greyhound Protection International e. V. begleitet seine Greyhounds und Adoptanten ein Hundeleben lang.
Ob Fragen zum Verhalten, Unsicherheiten im Alltag, gesundheitliche Themen oder spätere Schwierigkeiten: Wir haben ein offenes Ohr und unterstützen euch mit Erfahrung, Wissen und Herz.🍀❤️🐾
Checkliste: Passt ein ehemaliger Renn-Greyhound zu mir?
- Bin ich bereit, meinen Greyhound außerhalb sicher eingezäunter Bereiche wahrscheinlich lebenslang an der Leine zu führen?
- Kann ich seinen Jagdtrieb ernst nehmen und ihn zuverlässig sichern?
- Habe ich Zugang zu einem sicher eingezäunten Auslauf?
- Suche ich einen eher gemütlichen Begleiter und keinen Hund für sportliche Höchstleistungen?
- Kann ich regelmäßige Spaziergänge, ausreichend Ruhe und einen sicheren Alltag bieten?
- Achte ich auf Hitze und wärme meinen Hund vor Sprints auf und danach ab?
- Habe ich Geduld für die Eingewöhnung und den Aufbau des Alleinbleibens?
- Möchte ich mit positiver Verstärkung und ohne Druck arbeiten?
- Bin ich bereit, bei Fragen oder Problemen Unterstützung anzunehmen?
Wenn du diese Fragen mit Ja beantworten kannst, bringst du wichtige Voraussetzungen für ein wunderbares gemeinsames Leben mit einem ehemaligen Renn-Greyhound mit.
Noch unsicher? Sprich uns gerne an. Wir beraten dich ehrlich und helfen dir herauszufinden, ob ein Greyhound zu deinem Leben passt.

🐾 Greyhounds hautnah erleben – besucht uns bei unseren Spaziergängen!

Dort könnt ihr Greyhounds hautnah erleben, ihre besonderen Eigenschaften kennenlernen und euch mit erfahrenen Halterinnen und Haltern austauschen. Fragen sind jederzeit willkommen – ganz unverbindlich.
Ihr möchtet einen ehemaligen Renn-Greyhound kennenlernen oder über eine Adoption nachdenken? Dann besucht einen unserer monatlichen Greyhound-Spaziergänge! ❤️
Termine und Treffpunkte kündigen wir rechtzeitig auf unserer Homepage an.
❤️ Wir sind persönlich für euch da!
Ihr habt Fragen zur Adoption oder möchtet wissen, ob ein Greyhound zu eurem Leben passt? Meldet euch gerne bei uns.
Aktuell leben Orion und Blue auf unseren Pflegestellen. Wenn ihr euch für einen Greyhound interessiert – vielleicht für Orion oder Blue –, könnt ihr euch gerne bei uns melden. Wir informieren euch über die beiden und besprechen gemeinsam, welcher Hund zu euch und eurem Alltag passen könnte.
Wir beraten euch persönlich und telefonisch, informieren ehrlich über Chancen und Herausforderungen und begleiten euch bei eurer Entscheidung. Eine telefonische Beratung ist nach vorheriger Kontaktaufnahme gerne möglich.
📧 nicole.refke@greyhoundprotection.de
Greyhound Protection International e. V.
Für ein Leben nach der Rennbahn. Für eine Zukunft voller Liebe. 🍀❤️🐾


